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Karte lesen, Zelt aufpumpen und Schnitzel verteilen

Beim Praxistag der Helfergrundausbildung in Hattenhofen lernen künftige ehrenamtliche DRK-Mitarbeiter die ganze Bandbreite des Roten Kreuzes kennen. Von Rettungswagen über Sanitätszelte bis zur Feldküche.

Die Rettungs- und Krankenwagen mit dem Roten Kreuz darauf kennt jeder. Aber das Rote Kreuz ist viel mehr. Was es alles gibt beim DRK, das bekamen 20 DRK-Auszubildende beim Praxistag der Helfergrundausbildung an den DRK-Standorten Hattenhofen und Schlierbach zu sehen. Immer in Fünfergruppen gab es allerhand zu gucken, zu hören und zu lernen. Auch die Rettungswagen, von innen. Und wie man die Krankentrage stressfrei für Patient und DRK-Helfer in den Wagen hinein- und auch wieder hinausbekommt. „Stryker“ heißt die schwarz-gelbe Trage, und mit einigen Hebeln und knöpfen kann sie praktisch in jede Stellung gebracht werden, ohne dass die Rücken der Helfer zu stark belastet werden. „Das ist der Mercedes unter den Krankentragen“, sagt DRK-Mitarbeiter Andreas Pfeiffer, der den Praxistag mit DRK-Kollegen aus dem ganzen Landkreis organisiert hat. Etwas einfacher sind die Tragen im Notfall-Krankentransportwagen. Mit dem Wagen können zwei Patienten gleichzeitig transportiert werden, dafür wird eine seitlich an der Innenwand des Krankenwagens hängende zweite Trage einfach heruntergeklappt. Noch einfacher – allerdings auch deutlich leichter – ist die Katastrophenschutztrage, mit der die Patienten am Unglücksort geborgen werden. 

Wie die Helfer zum Einsatzort kommen und die Menschen finden, denen geholfen werden soll, lernen die Ausbildenden auch, im Kartenlese-Seminar. Denn im Ernstfall könnte es sein, dass es keinen Strom und damit auch kein Internet und auch kein GPS mehr gibt. Aber die gute, alte Papierkarte, die gibt es immer, praktisch in jedem DRK-Einsatzfahrzeug. Nur: lesen können muss man sie. Wie das geht, das zeigt DRK-Mitarbeiter Marc Buchberger den zukünftigen Helfern. Zwei Karten decken den gesamten Landkreis Göppingen ab, jede Karte ist mit einem Gitternetz aus Quadraten überzogen. Innerhalb dieser Quadrate, die jeweils einen Quadratkilometer abdecken, kann eine Position mit einer Schablone auf 100 Meter genau festgelegt und gefunden werden. Das klappt erstaunlich gut. Die Auszubildenden lernen auch, ihre eigene Position zu bestimmen, damit sie im Ernstfall weitere Helfer zum Einsatzort lotsen können. Und wenn sie wissen, wo jemand ist, der Hilfe braucht, können sie schon auf der Karte sehen, was und wen sie möglicherweise noch brauchen: liegt der Einsatzort am Berg, sollte die Bergwacht dazu gerufen werden, ist ein See oder Fluss in der Nähe, die Wasserwacht. 

Und wenn es viele Verletzte gibt, muss der Gerätewagen Sanität her. Der steht am Tag der Helferausbildung in Hattenhofen schon bereit. Zwei Schnelleinsatz-Zelte hat er an Bord, die mit einem benzinbetriebenen Generator zügig aufgeblasen und aufgebaut werden können. Bis zu acht Tragen passen hinein – medizinische Geräte wie Blutdruckmessgerät und Sauerstoffgerät, Verbandszeug, Infusionen, Spritzen und Schmerzmittel hat der Gerätewagen auch an Bord. 

Wie genau Feldbetten aufgebaut werden und wie unverletzte Menschen am Einsatzort betreut werden können, das lernen die DRK-Helfer im nahen Schlierbach, in das sie mit dem DRK-Pendelbus kommen. Alle Auszubildenden zusammen treffen sich dann zur Mittagszeit in Hattenhofen. Natürlich zum Essen, aber auch um zu lernen, wie man im Ernstfall möglichst viele Menschen möglichst schnell mit Essen versorgt. Dafür muss die Essensausgabe an der Feldküche, der DRK-Kreisverband hat zwei davon, wohl organisiert sein, denn: „Die Deutschen können viel, aber sich richtig anstellen, dann können sie nicht“, sagt DRK-Mitarbeiter Frank Meier, der sich mit Feldküche und Essensversorgung auskennt. Also braucht es mindestens eine Personen, die vor der Essensausgabe den Verkehr regelt und alle Hungrigen in Reihe bringt. Und auch hinter der Theke muss alles in Reihe, beim Praxistag kommen Schnitzel, Soße und Kartoffelsalat auf die Teller, die Auszubildenden haben gut zu tun. „Sieben Essen pro Minute“, DRK-Ausbilder Oliver Dürr hat mitgezählt. „Das ist schon ganz gut“. Nach dem Essen geht es weiter, der Einsatzleitwagen der DRK-Bereitschaft Eislingen steht bereit, DRK-Mitarbeiter Rüdiger Trautmann erklärt den Auszubildenden, wie der Besatzung des Wagens bei Einsätzen für schnelle Kommunikation sorgt.