„Die meisten Herz-Kreislauf-Stillstände passieren im eigenen Umfeld“, weiß Dr. Nikola Kandhari. Und deshalb sei es wichtig, dass jede und jeder eine Herzdruckmassage durchführen kann. Die Anästhesistin des Alb Fils Klinikums engagiert sich deshalb jedes Jahr gemeinsam mit einem Team des DRK-Kreisverbandes im Rahmen der Aktion „100 pro Reanimation“. Am Montagvormittag zeigten sie den Schülerinnen und Schülern der Geislinger Daniel-Straub-Realschule, dass auch sie ein Leben retten können. Die aufmerksamen Realschüler erfuhren, dass Zeit ein ganz entscheidender Faktor ist. Denn nach spätestens fünf Minuten ist ein Gehirn ohne Sauerstoffzufuhr dauerhaft geschädigt, kann der Mensch zwar überleben, aber kein selbstbestimmtes Leben mehr führen. Das Team vom Rettungsdienst benötige aber mindestens zehn Minuten. Die Notärztin erläuterte zunächst die Funktionsweise des Herzens und verwies dann auf die drei wichtigen Schritte im Notfall: „prüfen, rufen, drücken!“ Um den richtigen Takt beim Drücken zu finden, empfahl sie entsprechende Playlisten im Internet. Und dann konnten die Schülerinnen und Schüler zur Musik von Lady Gaga ausprobieren, wie vergleichsweise einfach es ist, ein Menschenleben zu retten. Die Übungspuppe zeigte deutlich an, ob kräftig genug gedrückt wurde. „Anstrengend“; war das für Frida. Ihre Freundin Sophia war froh, „dass ich jetzt weiß, was ich machen muss, wenn es nötig ist“.
Frau Huzliputz liegt auf dem Boden. Bewusstlos. Jetzt heißt es Leben retten, 24 Schüler*innen haben gerade gelernt, wie das geht und legen los. Frau Huzliputz ist eine Kunststoffpuppe, an der sich die Herz-Druck-Massage gut üben lässt. Notärztin Dr. Nikola Kandhari und DRK-Rettungssanitäterin Bettina Steinbacher haben gerade erzählt und gezeigt, wie das geht. Die beiden sind ein eingespieltes Team und während der alljährlichen Woche der Wiederbelebung zusammen in den Schulen des Landkreises unterwegs. Und doch ist es diesmal eine Premiere, denn zum ersten Mal sind die beiden in einer Grundschule. Dritt- und Viertklässler der Schulverbund-Grundschule in Süßen lernen, wie sie Leben retten können.
„Prüfen, rufen, drücken“, rufen die Schüler*innen der Klasse 4a, die eine halbe Stunde aufmerksam zugehört hat, was Nikola Kandhari und Bettina Steinbacher ihnen mitgegeben haben. Also prüfen, ob Frau Huzliputz noch bei Bewusstsein ist und nach atmet. „Laut ansprechen, rütteln und, wenn sie bewusstlos ist, rund zehn Sekunden das Ohr an Mund und Nase legen und hören, ob sie noch atmet“, sagt Nikola Kandhari. Dafür den Kopf nach hinten legen, Kopf überstrecken – damit die Zunge nach vorne gezogen wird und nicht die Atmung behindert. Dann: „Rufen“. Erst 112 per Handy, dann um Hilfe, „die könnt ihr brauchen, denn das Drücken, das nach dem Rufen kommt, ist anstrengend“, sagt Notärztin Nikola Kandhari, die am Alb-Fils-Klinikum Oberärztin und Fachärztin für Anästhesiologie ist. Das Handy laut zu stellen, empfiehlt sie auch. „Dann bleibt ihr immer in Verbindung mit der Integrierten Leitstelle, die helfen euch und sagen, was ihr tun müsst. Und das ist „drücken“. Also Oberkörper von Frau Huzliputz frei machen und dann am Druckpunkt genau in der Mitte zwischen den Brustwarzen richtig fest drücken, rund 100-mal in der Minute. Nur so kommt der Blutkreislauf in Gang, und nur so wird das Gehirn mit Sauerstoff versorgt. Nur drei bis fünf Minuten kann es ohne, dann gibt es bleibende Schäden. Notärztin und Rettungswagen brauchen im Ernstfall rund 10 Minuten, bis sie vor Ort sind. So lange müssen Lebensretter vor Ort drücken. Hilfe kommt dabei auch von Lady Gaga, Nikola Kandhari legt „Pokerface“ auf, der Song gibt den Takt gut vor, bei Youtube oder Spotify gibt es ganze Listen mit Songs, die den richtigen Takt für eine Herz-Druck-Massage vorgeben.
Info
Die Aktion „100 pro Reanimation“ wurde vom Berufsverband Deutscher Anästhesisten, der „Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin“ in Kooperation mit dem Verein German Resuscitation Council und der Stiftung Deutsche Anästhesiologie. Bei der jährlich stattfindenden Woche der Reanimation wird mit vielfältigen Veranstaltungen und Aktionen für die Reanimation geworben - am kommenden Freitag ab 14 Uhr im Outlet-Center Geislingen.
