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Eine Suche gegen die Zeit

Drei Vermisste, die wahrscheinlich medizinische Hilfe benötigen, müssen in einem weitläufigen Waldstück gefunden werden. Diesem Szenario stellten sich die Rettungshundeteams des DRK-Kreisverbandes bei einer Übung am Helenenhof.

Die Border Collie Hündin Arya kann es kaum erwarten, die Spur der vermissten Person aufzunehmen. Trotz Kälte und Schneeregen zieht sie, kaum dass sie an der Geruchsprobe schnüffeln durfte, in Richtung Wald. 

Zuvor hat der stellvertretende Bereitschaftsleiter der DRK-Rettungshundestaffel Jörg Bertermann das Szenario für die Einsatz-Übung der DRK-Hundeführer*innen erklärt. An dem abgelegenen Helenenhof unterhalb von Eybach hatte nachts eine illegale Party stattgefunden. Zwei Feiernde, die wahrscheinlich betrunken waren und Rauschmittel genommen haben, sind am nächsten Morgen nicht nach Hause gekommen. Wahrscheinlich haben sich die junge Frau und der junge Mann im nahegelegenen Wald verirrt. Ein Freund der beiden ist am darauffolgenden Morgen losgefahren, um sie zu suchen. Auch er meldete sich nicht zurück und war auch mobil nicht zu erreichen. Von ihm wurden später nur der verlassende VW-Bus gefunden, in dem Kleidungsstücke des Mannes sichergestellt werden konnten. 

Also ist es die Aufgabe von Arya, selbstständig die Geruchsspur des Vermissten aufzunehmen und über diese ihre Hundeführerin Tanja Bertermann zur vermissten Person zu führen. Unterstützt werden sie von Birgit Pienitzsch als Backup, die das Team beobachtet und der Hundeführerin so wertvolle Informationen geben kann. Die Hündin ist ein so genannter Mantrailer. „Das sind Hunde, die gezielt einer Spur folgen“, erklärt Tanja Bertermann. Dazu ist eine umfangreiche Ausbildung des Hundes und viel Training erforderlich. „Man muss den Hund sehr gut kennen und sein Verhalten interpretieren können“, ergänzt Birgit Pienitzsch. Bei entsprechender Witterung, optimal ist eher feuchtes und kühles Wetter, kann der Mantrailer einer Spur auch über mehrere Kilometer folgen. Wird der Hund müde, muss ein zweiter Suchhund zum Einsatz kommen. 

Bei der Einsatz-Übung am Helenenhof ist der vermisste VW-Bus-Fahrer bereits nach gut 15 Minuten gefunden. Dominik, der bei der Einsatz-Übung eine der vermissten Personen spielt, sitzt unterhalb eines Hochsitzes auf einer Isomatte. „Ich habe gut eine halbe Stunde gewartet“, erzählt er. Gegen die Kälte trägt er zwei Hosen und zwei Jacken. Nachdem er von der Mantrailer-Hündin gefunden wurde, versteckt sich Dominik wieder in dem Waldstück. 

Mit dem Einsatz der Flächensuchhunde, die jetzt aus den beiden Einsatzfahrzeugen des DRK-Kreisverbandes ausgeladen werden, beginnt der zweite Teil der Übung. Im Gegensatz zu Arya, die als Mantrailer gezielt nach dem Geruch eines bestimmten Menschen sucht, spüren die Flächensuchhunde ganz allgemein Menschen auf, die sich in einer hilflosen Lage befinden können. Insgesamt sind bei der Übung am Helenenhof sechs Hundeführer*innen mit ihren Hunden im Einsatz. Weitere fünf Helfer, die einen Erste-Hilfe-Rucksack tragen und die abgesuchte Strecke auf ihren Mobiltelefonen markieren, unterstützen. „Das ist wichtig, damit wir gegenüber der Polizei angeben können, in welchem Bereich wir gesucht haben“, erklärt Birgit Pienitzsch. 

Regelmäßige Übungen gehören zum Training der DRK-Rettungshunde und ihrer Führer*innen. „Eine Übungen vorzubereiten, dauert rund fünf bis sechs Stunden“, erklärt Jörg Bertermann. Dabei wird nicht nur in abgelegenen Waldgebieten geübt, sondern auch im stadtnahen Bereich wie dem Göppinger Oberholz. „Vor allem der Mantrailer übt auch sehr viel im städtischen Bereich“, erzählt Jörg Bertermann. 

In diesem Jahr waren die Suchhundeführer*innen des DRK-Kreisverbandes Göppingen bereits drei Mal im Einsatz, um nach vermissten Personen zu suchen, einmal als Unterstützung für andere DRK-Kreisverbände und zweimal im Kreis Göppingen.