· GZ 2026

Am Berg blind einer App gefolgt

Die Bergretter im Landkreis sind 2025 zu rund 60 Einsätzen ausgerückt. Ein Mensch war im Schlamm versunken, ein anderer nachts mit dem E-Bike auf einem Trail gestürzt.

Gestürzte Mountainbiker oder Wanderer, verletzte Waldarbeiter, Menschen, die einer App statt Schildern folgen, oder eine im schlammigen Morast versunkene Person: Auch im abgelaufenen Jahr hat es für die Bergwachten Göppingen und Geislingen-Wiesensteig wieder genug zu tun gegeben. Ähnlich wie im Vorjahr, lag die Zahl der Einsätze bei etwa 60, zufriedenstellend ist die Entwicklung der Mitgliederzahlen und der Anzahl der ehrenamtlichen Helfer.

Meistens werden die beiden Bergwachten im Landkreis gemeinsam alarmiert, so auch am Pfingstsonntag 2025: In der Nähe von Aufhausen war ein Paar in Not geraten, das vom Autal auf die Albhochfläche hinauf wollte. Doch anstatt den offiziellen Wegen und Karten zu folgen, verließen sich die beiden auf eine Outdoor-App und folgten einem kleinen Pfad, berichten die Retter. Der Boden war aufgeweicht und matschig, schließlich rutschte die 35-jährige Frau ab und schlitterte 15 Meter den Steilhang hinunter, bis sie sich an Ästen festhalten konnte. Ihr Begleiter setzte einen Notruf ab.

Bis zur Hüfte im Schlamm

Insgesamt drei Stunden dauerte der Einsatz der Bergwachten, an dem 14 Rettungskräfte beteiligt waren. Zwei Spezialisten seilten sich zu der verunglückten Frau ab, mit einem Flaschenzug konnte sie schließlich geborgen werden. Die Wanderer blieben unverletzt. 

„Nach dem Einsatz mussten wir Ketten aufziehen, um wieder aus dem Gelände zu kommen“, schrieben die Bergwachten im Juni in einer Pressemitteilung. Begeistert waren sie offenbar nicht: „Bei so einer Schlammschlacht entfällt auch ein großer Teil der Zeit auf das anschließende Säubern des Materials.“ (siehe Info)

Glimpflich ging am Ostermontag auch ein weiterer ungewöhnlicher Einsatz ab: Bis zur Hüfte war eine Person im schlammigen Morast des abgelassenen Herrenbachstausees bei Adelberg versunken und konnte sich nicht mehr selbst aus dieser misslichen Lage befreien. Die Bergwacht wurde vorsorglich alarmiert, doch die Feuerwehr konnte die unverletzte Person mit Steckleitern bergen.

Ebenfalls nicht alle Tage werden die Retter mitten in der Nacht zu einem verunglückten Mountainbiker gerufen. So geschehen am 1. August. Der Alarm ging um 1.28 Uhr ein, ein 35-Jähriger war im Dunkeln mit seinem E-Bike vom Hohenstaufen in Richtung Wäschenbeuren im Wald gestürzt und kurzzeitig bewusstlos. Er hatte zwar einen Helm getragen, zog sich aber dennoch eine Kopfverletzung zu. Mit einem geländegängigen Fahrzeug brachten die Bergretter den Mann zu einem Übergabepunkt und übergaben ihn dem Rettungsdienst.

Zehn Stunden hatte ein 36-Jähriger am 19. Juli in hilfloser Lage in einem Waldstück bei Süßen gelegen, er hatte sich mehrere schwere Verletzungen an den Beinen und am Rücken zugezogen. Da er offenbar mit Notrufen erfolglos geblieben war, hatte er ein Feuer entfacht, das von den Rettern gelöscht wurde. Zuvor war es aber gelungen, sein Handy zu orten.

Ein jähes Ende im Wald fand die Flucht eines Jugendlichen am 27. April bei Diegelsberg: Wie die Bergwacht seinerzeit berichtete, war der 15-Jährige offenbar vor dem Besitzer einer Gartenlaube geflohen und hatte sich im Wald beim Überqueren eines Bachs eine schwere Knieverletzung zugezogen. Warum der Jugendliche und sein Begleiter geflüchtet waren, ist nicht bekannt.

Gleich zweimal wurden die Bergretter im März alarmiert, weil sich Waldarbeiter verletzt hatten. Am 5. März hatte sich eine Frau bei der Arbeit im Göppinger Oberholz verletzt. „Aufgrund des matschigen Bodens konnte der Rettungsdienst die Patientin nicht transportieren“, teilte die Göppinger Bergwacht mit. Mit ihrem geländegängigen Toyota konnten die Helfer mit dem Notarzt bis in die Nähe der Einsatzstelle fahren.

Kurze Zeit später, am 18. März, gab es wieder einen Notruf: Bei einem schweren Forstunfall in einem steilen Waldgebiet bei Börtlingen-Breech hatte sich ein 31-Jähriger eine schwere Beinverletzung zugezogen. „Der Abtransport gestaltete sich schwierig, da der einzige Weg aus dem Waldgebiet stark schlammig und abschüssig war“, so die Einsatzkräfte. Nach diesen Einsätzen im Wald resümierte die Bergwacht: „Erneut bewährte sich das hochgeländegängige Bergrettungsfahrzeug.“

Malte Weinert, Pressesprecher der Bergwacht Göppingen, berichtet von einer positiven Entwicklung bei den Mitgliederzahlen im Jahr 2025: „Sehr erfreulich“ sei die, es gebe auch sehr viel Nachwuchs. „Wir haben eine sehr große Jugendgruppe und müssen auch regelmäßig Bewerber ablehnen.“ Insgesamt gibt es in Göppingen 36 aktive Bergretter. Bei der Bergwacht Geislingen-Wiesensteig sieht es ähnlich aus: Von 30 aktiven Einsatzkräften berichtet Leiter Niko Schneider, insgesamt gebe es rund 220 Mitglieder.

Nicht blind auf Apps verlassen

Nach dem Vorfall am Albtrauf, bei dem eine 35-Jährige abgerutscht war und in einem dreistündigen Einsatz aufwendig geborgen werden musste, haben sich die Bergwachten im Kreis mit einem Appell an die Öffentlichkeit gewandt.

„In Steilhängen gibt es neben Pfaden für Wanderer auch viele Tierfurten, die an manchen Stellen auf den ersten Blick wie Wanderwege aussehen können, sich dann aber im Steilgelände plötzlich verlaufen. Wenn man im Gelände unterwegs ist, sollte man besser auf den beschilderten Wegen bleiben und sich nicht ausschließlich auf Angaben in Apps verlassen.“