Das Chaos bremst Helfer aus
Rettungsdienste aus dem Kreis Göppingen bisher nicht nach Haiti beordert
Auch im Kreis Göppingen gibt es viele Retter, die wegen des Chaos in Haiti nicht zum Einsatz kommen können. Bei den Hilfsorganisationen schwankt die Reaktion zwischen Enttäuschung und Verständnis.
Kreis Göppingen - „Wir sind zum Abwarten gezwungen“ sagt Eduard Mayer, Dienststellenleiter der Johanniter in Göppingen, leicht zerknirscht.

- Rettungshundeführer und sein Tier bei einer Übung
Wie andere Organisationen im Landkreis sind die Johanniter bisher nicht an der internationalen Hilfe für das Erdbebengebiet beteiligt. „Frustrierend“, so Mayer, sei das für die vielen Ehrenamtlichen, die helfen wollen und deren Wissen und Ausrüstung grundsätzlich auch gebraucht würde – von der Sanitäts ausbildung bis hin zu Zelten. Doch all das nützt momentan nichts. Es häufen sich die Meldungen über völlig überlastete Verkehrswege und mangelnde Koordination der Hilfsleistungen, in dem Land, in dem auch die komplette staatliche Struktur im Chaos versunken ist. Angesichts dieser Tatsache haben auch die Retter im Kreis keine Wahl. Sie müssen warten, bis sie nach der Soforthilfe vielleicht für den Wiederaufbau gebraucht werden. Für die Rettungshundestaffeln ist es dann allerdings längst zu spät, noch verschüttete Überlebende zu finden.
Selbst die an internationale Einsätze gewöhnten Hundestaffeln des Bundesverbands Rettungshunde (BRH), dessen Landesbeauftragter Peter Göttert in Schlierbach wohnt, kamen nicht zum Zug. Und auch Götterts Reaktion darauf fällt zweischneidig aus. Einerseits hätten er und seine Mitstreiter von Herzen gern geholfen, andererseits kann der 59-Jährige zumindest die Gründe für die Zurückhaltung des BRH-Vor austrupps nachvollziehen. Seit den Erfahrungen in der Türkei im Jahr 1999 gelten nämlich Statuten der Vereinten Nationen, nach denen nur noch Staffeln angefordert werden sollen, die neben der Ortung auch die Bergung und die medizinische Versorgung der Opfer und der Helfer selbst garantieren können. Dazu seien Kooperationen notwendig, die im Falle des BRH nicht endgültig vereinbart worden seien. "Wir stehen zu den Statuten der UN", sagt der Rettungsprofi, denn nur wenn "von der Hundeschnauze bis zum Arzt" alle Glieder der Rettungskette zusammenarbeiten, sei ein Einsatz sinnvoll. In Haiti fehle aber die koordinierende Hand. Zumindest ist Göttert überzeugt, dass die Erfahrungen der aktuellen Katastrophe zu einer Verbesserung in Zukunft beitragen können. Auch Alexander Sparhuber, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Göppingen, zeigt Verständnis für die zurückhaltende Anforderung der Kräfte. Es sei nicht sinnvoll, wenn Helfer angefordert werden, die nicht dafür ausgebildet sind und vor Ort nicht vorankommen. Die Kreisverbände des Roten Kreuzes müssten sich auf das Generalsekretariat in Berlin verlassen. Zudem gehöre der Kreisverband Göppingen nicht zu denen, die für einen Auslands-Rettungseinsatz auserkoren wurden. Schon gar nicht sei es möglich, auf eigene Initiative ins Katastrophengebiet zu reisen.
Sparhuber berichtet, dass das Göppinger Rote Kreuz derzeit auch laufend Angebote aus der Bevölkerung über Sachspenden bekomme. Viele Kreisbewohner wollen Verbandsmaterial, Medikamente oder gar Nahrungsmittel spenden. Das sei aber nutzlos, weil der Aufwand für den Transport ins Katastrophengebiet in keinem Verhältnis zu deren Wert stünde, so Sparhuber. Sachspenden seien eher für notleidende Menschen im Kreis sinnvoll, so Sparhuber, etwa über die Tafelläden. Für Geldspenden empfiehlt Sparhuber die Organisationen, die das unabhängig verliehene Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) haben.

