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NWZ, 16.06.2010

Maientag: Mehr Schlägereien

Polizei und Sanitäter melden Zuwachs bei gefährlichen Körperverletzungen

Beim Maientag wurden in diesem Jahr wieder mehr Schlägereien gezählt. Gut 20 Menschen mussten ins Krankenhaus. Vor allem Gewaltausbrüche bereiten Sorge, aber auch Alkoholmissbrauch von Jugendlichen.

Göppingen
- Die Helfer vom Roten Kreuz hatten auf dem Rummelplatz des Göppinger Maientags alle Hände voll zu tun. Insgesamt verzeichnete das Rote Kreuz 120 Hilfeleistungen, „deutlich mehr als im Vorjahr“, berichtet Bereitschaftsleiter Peter Schätz. Pro Schicht waren immer etwa 15 Sanitäter vor Ort, dazu zwei Rettungswagen. Mehr als 20 Menschen mussten ins Krankenhaus gebracht werden, so Schätz.

Bierseelige Festzetbesucher mit vernebelten Sinnen
Bierseelige Festzetbesucher mit vernebelten Sinnen

Als Ursache machte er „das übertriebene Gewaltpotenzial“ unter jungen Leuten aus. Es habe in den vergangenen Jahren nicht mehr derart viele Prügelblessuren gegeben. Zwar seien lebensbedrohliche Verletzungen gottlob nicht dabei gewesen, dafür aber deutlich mehr Verletzungen wie blaue Augen, Platzwunden und Prellungen, so Schätz.

Auch die Göppinger Polizei meldete in ihrer Maientagsbilanz 35 Straftaten, das sind zehn mehr als im Vorjahr. Allein mit 13 Körperverletzungsdelikten mussten sich die Beamten befassen. Darunter waren vier Delikte, die als gefährliche Körperverletzung gelten, sagt Polizeisprecher Uli Stöckle. Dazu zählt beispielsweise das Zuschlagen mit einem Bierkrug oder eine Prügelei in der Gruppe. Besonders schlimm ist ein 19-Jähriger am Samstagabend verletzt worden, er sei von Unbekannten so brutal zusammengeschlagen worden, dass er sich den Kiefer brach und noch immer im Krankenhaus liegt.

Deshalb blickt der Leiter des Polizeireviers Göppingen, Konrad Aichinger, aus Sicht der Polizei auf den Maientag auch „nur einigermaßen zufrieden“ zurück. Richtig zufrieden wäre er erst, wenn es bei einem „fröhlichen Göppinger Fest“ geblieben wäre und sich keine oder doch zumindest weniger Straftaten ereignen würden. Ein Schwerpunkt der Einsätze lag laut Stöckle auf dem Samstag, während es am Donnerstag so gut wie keine Probleme gegeben habe.

Ein Dauerthema bleibt für die Polizei auch das Problem des Alkoholmissbrauchs durch Jugendliche, so Aichinger. Gemeinsam mit Kollegen der Bereitschaftspolizei wurden während es ganzen Wochenendes auch Plätze im Stadtgebiet kontrolliert. Kindern und Jugendlichen, die beim „Vorglühen“ waren, wurden die Getränke abgenommen. Wenn es erforderlich war, wurden die Eltern zur Abholung ihrer Sprösslinge aufgefordert. Bei einem 15-Jährigen wurde ein Promillewert von 1,1 und bei zwei 16- beziehungsweise 17-Jährigen Werte von 1,9 und 1,5 Promille gemessen. Ein 14-jähriges Mädchen musste sogar in die Klinik gebracht werden.

Auch DRK-Bereitschaftsleiter Peter Schätz berichtet von sehr vielen stark betrunkenen jungen Leuten, wobei der Schwerpunkt sich auf die Gruppe der 17- bis 20-Jährigen verschoben habe, wohl auch dank der Ausweiskontrollen. Die Zusammenarbeit mit dem privaten Sicherheitsdienst im Festzelt bezeichnete Polizeisprecher Stöckle als sehr gut. Die Mitarbeiter seien gut geschult. „Sie wissen, was ihre Rechte und Pflichten sind.“

Offensichtlich versuchen aber immer mehr Jugendliche die vor Jahren eingeführte Ausweiskontrolle am Festzelteingang zu umgehen, indem sie sich die Papiere ihrer älteren Freunde besorgen. Acht Jugendliche wurden dabei erwischt, die Dunkelziffer ist nur zu erahnen, so die Polizei. Es handele sich um Straftaten, die mit empfindlichen Geldstrafen geahndet werden können.

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