Ein Schritt zur Chancengleichheit
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sucht freiwillige Helfer für Sprachförderung an Schulen
Das DRK in Göppingen unterstützt die Sprachentwicklung und -kompetenz von Grund- und Hauptschülern mit und ohne Migrationshintergrund.
Göppingen - Es ist Montag, 14 Uhr. In der Südstadt-Grundschule flitzen nur wenig Kinder durch das Treppenhaus, heute ist keine Mittagschule. Michael, Marija, Elena, Gizem und Sümeyye sind trotzdem pünktlich im Klassenzimmer. Sie und zwei andere Kinder, die heute krank gemeldet sind, kommen montags freiwillig, denn sie haben dann immer „GSGL". Die Abkürzung steht laut einer Pressemitteilung für „Gemeinsam sprechen. Gemeinsam lernen", ein Sprachunterstützungsprojekt des Deutschen Roten Kreuzes im Kreisverband Göppingen. Anneliese Kübler und Doris Göhl haben Stühle im Kreis aufgestellt und fangen die Zweit- und Drittklässler lachend ein. In Anlehnung an das weithin anerkannte Denkendorfer Modell zur Sprachförderung wird gemeinsam gesprochen, gesungen, gereimt, vorgelesen, zugehört - und dabei jedem Kind ein individueller Lernraum geboten.
Zwar hat Anneliese Kübler als ehemalige Gymnasiallehrerin pädagogische Erfahrung, doch hier ist vieles anders. Die Kinder stammen aus Russland, Serbien, Albanien, der Türkei und vielen weiteren Ländern. Doris Göhl schaltet den Kassettenrekorder ein. Lustige Musik erklingt. Aufmerksam beobachtet die ehemalige Notarsekretärin, wie die Kinder auf die Rhythmen reagieren. Ein Text wird nun in kleinen Abschnitten im Takt gelesen. Michi fängt an, die nächsten zwei Zeilen übernimmt Elena und so weiter. „Super gemacht", loben die beiden ehrenamtlichen Frauen die Kinder.
Nicht verbessern, sondern zum Sprechen ermutigen und die Lust, zu kommunizieren über alle Sinne anregen, lautet der Leitsatz in der Pressemitteilung. Mit viel Fantasie gestalten die beiden Ehrenamtlichen die erste Stunde. Nach einer kurzen Pause helfen sie bei den Hausaufgaben und reden über das, was die Kinder interessiert und zum Sprechen anregt.
Ähnlich spielerisch führen Rita Harsch und Sylvia Bader eine weitere Gruppe der 3. und 4. Klasse an die deutsche Sprache heran. Auch sie hatten sich aus persönlichem Interesse beim DRK über die Tätigkeit als Sprachunterstützerin informiert und unterstützen nun zehn Kinder bei der Verbesserung der deutschen Sprache. Nicht nur in der Südstadtschule, auch in der Ursenwangschule hat diese Arbeit einen hohen Stellenwert. Denn dort wird das Projekt insbesondere für die Hauptschüler der 5. und 6. Klasse umgesetzt.
Christian Stock vom DRK steht den Ehrenamtlichen begleitend zur Seite. Die Sprachhelferinnen wurden in einer Schulung gründlich vorbereitet. Selbstverständlich ist auch ein guter Kontakt zu den Klassenlehrern wichtig, denn sie wissen, welche Kinder die zweistündigen GSGL-Kurse am Nachmittag, und somit die Sprachförderung, brauchen. Um ein solches Projekt anbieten zu können, ist jedoch die Hilfe von engagierten Mitbürgern Voraussetzung.
Wer zwei Stunden pro Schulwoche zu verschenken hat und gerne mit Kindern arbeitet, kann das Team der ehrenamtlichen Sprachhelferinnen noch erweitern. Für die Kinder bedeutet dies: ein Schritt zu mehr Chancengleichheit auf ihrem Lebensweg.
Kontakt: Christian Stock, Telefon: (0 71 61) 3 89 05-16 , E-Mail: c.stock@drk-goeppingen.de

