Aus dem Büro an die Obstkiste
Pfirsiche abpacken und Kirschen sortieren: Bei der Aktion „Sichtwechsel“ haben die Bürgermeister Jochen Reutter und Sepp Vogler im Ebersbacher Tafelladen die Ärmel hochgekrempelt.
Ebersbach - Geradewegs aus der Mitarbeiterbesprechung im Hattenhofer Rathaus kommt Jochen Reutter in den Tafelladen in Ebersbachs Karlstraße geeilt. Pünktlich um 10.30 Uhr beginnt sein „Sichtwechsel“-Dienst.

- Bürgermeister Jochen Reutter wiegt und sortiert Obst ...
Eine Woche später hat der Ebersbacher Bürgermeister Sepp Vogler seine Schicht. Vogler kommt früher als geplant zum Dienst – ein dringender Termin drängt im Anschluss, er möchte vorarbeiten.
Keine Frage, beide Rathauschefs sind interessiert und tatkräftig zur Stelle. Tafelladen-Leiterin Sabine Rauch erläutert Logistik und Abläufe in dem Geschäft, nebenbei werden die neu eingetroffenen Lebensmittel abgepackt. Seit Juli 2008 betreibt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) die Ebersbacher Tafel. Hier gibt es Lebensmittel zu deutlich reduzierten Preisen für Menschen mit geringem Einkommen. Aber: „Waren mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum werden Sie hier nicht finden“, räumt Sabine Rauch ein gängiges Vorurteil aus.
Jochen Reutter steht mit aufgekrempelten Hemdsärmeln im Vorbereitungsraum und sortiert Kirschen in kleine Tüten. Ungefähr ein Pfund soll es sein, und Reutter wiegt die Früchte sorgfältig in den Händen. Bei Sepp Vogler gilt es, Pfirsiche abzupacken und Lauchstangen von welken Blättern zu befreien.

- ... während sich Kollege Sepp Vogler als Waren-Träger übt.
Auch er zeigt ein gutes Händchen fürs gerechte Verteilen. Schnell alle Waren in die Regale verteilen, und los geht’s – die Schlange vor der Tür ist lang.
Sabine Rauch erklärt, wer an drei Vormittagen pro Woche hier einkaufen darf und wie die Einkommensbescheide, Bonuskarten oder andere Nachweise der Bedürftigkeit genau überprüft werden. Nachdem vor der Tür Nummerntafeln aus einem Beutel gefischt wurden, steht die Reihenfolge der Kunden fest.
Nie mehr als zehn Personen suchen gleichzeitig aus dem Angebot das heraus, was eine Mahlzeit für die Familie ergeben kann. Was beide Bürgermeister beeindruckt: „Alle, die hier im DRK-Tafelladen arbeiten, sind aufrichtig freundlich.“ Vogler und Reutter sind überzeugt, einiges Unbekannte erfahren und kennen gelernt zu haben, das womöglich auch ihr Handeln als Bürgermeister erweitern könne. So ist der von der Hohenstaufenstiftung initiierte „Sichtwechsel“ in der Ebersbacher Tafel geglückt.

